Doodlezucht

Generelle Gedanken zur Haustierzucht

Grundsätzlich ist die Zucht von Nutz- und Haustieren nichts Verwerfliches und wird vom Menschen schon seit Jahrtausenden betrieben. Schon damals hatte man erkannt, dass es vorteilhaft ist, stabilere, kräftigere Individuen miteinander zu verpaaren, da sich diese Eigenschaften dann in den Nachkommen widerspiegeln. Oder welche, die mehr Fleisch, Wolle, etc. produzierten. Lang bevor man also Vererbung und Genetik verstanden hatte, hatte man das entsprechende dahinterliegende natürliche Prinzip erkannt und angewandt. Auch Haustiere wurden auf besondere Merkmale hin ausgewählt und miteinander verpaart. Hunde wurden zum Beispiel auf ihre Hüte-, Jagd- oder Wacheigenschaften selektiert. Sicher war auch schon immer eine gewisse Auswahl nach ästhetischen Gesichtspunkten dabei, für sehr lange Zeit aber höchstens zweit- bis drittrangig. So weit, so normal. Dennoch hat Haustierzucht heutzutage oft einen schlechten Ruf. Woher kommt das? Einerseits hört man häufig das Argument, es gäbe genug Hunde und Katzen in den Tierheimen, man müsse nicht noch zusätzlich welche in die Welt setzen. Grundsätzlich richtig, aber gerade für Ersthundehalter ist der Hund aus dem Tierschutz aus verständlichen Gründen oft nicht die erste Wahl. Es ist nicht bekannt, welche Erfahrungen das Tier gemacht hat, welche Rassen genau drinstecken, welche Eigenschaften das Tier entweder schon hat oder noch ausprägen wird. Weiterhin gibt es natürlich auch Zuchtverbände, die es mit den Vorgaben übertreiben. Selbstverständlich ist die Festlegung und Einhaltung gewisser Regularien begrüßenswert und sorgt für die Erhaltung der Gesundheit innerhalb der Rassen. Wird die Regulation aber übertrieben und herrscht dann gleichzeitig noch eine große Nachfrage, tritt genau der gegenteilige Effekt ein. Um möglichst schnell Hunde zu „produzieren“, die dem Zuchtstandard entsprechen, werden dann nah verwandte Hunde miteinander verpaart und die Wahrscheinlichkeit, neu auftretende Erbkrankheiten zu forcieren, steigt. Beispiele für übertriebene Regularien gibt es viele: Rassen, deren Zeichnung aufs Genaueste festgelegt ist, die eine gewisse Mindest- und Maximalgröße einhalten müssen, selbst die Rutenform ist manchmal vorgegeben. Manche Jagdhunderassen dürfen nur zur Zucht verwendet werden, wenn sie einen Jagdschein erhalten haben. Dies führt häufig zur Etablierung von parallelen Linien, die dann ohne Verbandsaufsicht gezüchtet werden (ein Beispiel hierfür ist der Weimeraner). Der Pudel hat das Glück, schon sehr lange ein Rand-Dasein zu fristen. Hier sind die Regularien verhältnismäßig wenige. Es gibt ihn in 4 Größen, in (fast) allen Farben und Fellzeichnungen und durch die gleichzeitig relativ niedrige Nachfrage (der Pudel hat einfach ein gewisses „frisierter Affe“-Image und wird als Gefährte älterer Damen gesehen) ist die Rasse bis heute auch relativ gesund. Dennoch hat der VDH zum Beispiel lange Zeit die beliebten Zeichnungen der Harlekin-Scheckung und Tan-Marken als „Fehlfarben“ bezeichnet. Einzelne weiße Flecken im schwarzen Fell (ein weißer Fleck auf der Brust ist bei vielen Hundeliebhabern sehr beliebt) führten zum Ausschluss etc. Auch hier gibt es also durchaus fragliche Vorgaben. Wer dann gleichzeitig Sätze wie „Wer eine Halbgeschwisterverpaarung beabsichtigt, muss mindestens 6 Wochen vor dem Decktermin einen schriftlichen Antrag an den Hauptzuchtwart einreichen. In der Begründung muss angegeben werden, welches besonders ausgeprägte Merkmal, das beide Partner gemeinsam aufweisen, festgelegt oder verstärkt werden soll.“ (Zuchtordnung Deutscher Pudel Klub von 2019, §9) liest, der fragt sich schon, ob da jemand den Schuss nicht gehört hat. Auch in Rios Stammbaum gibt es solche Verpaarungen, in einem Fall zum Beispiel Großmutter und Enkelsohn, allerdings vor mehr als 5 Generationen und in den USA. Das ist auch der Grund, warum sein intrinsischer Inzuchtkoeffizient über 10 Generationen nicht 0 sondern 0,64% ist.
Zurück zum Punkt: Hundezucht hat meiner Meinung nach ihre Berechtigung, wenn sie mit Herz und Verstand durchgeführt wird. Dennoch ist das Pochen auf althergebrachte Regeln, Normen und Standards manchmal nicht mehr zeitgemäß. Und was hat das alles mit der Überschrift zu tun?

Der Doodle

Der Doodle ist ein Mischling. Hier werden absichtlich zwei Hunde verschiedener Rassen, nämlich ein Pudel und eine „Fremd“-Rasse, miteinander verpaart. Am bekanntesten sind wohl die Labradoodle und die Goldendoodle, aber inzwischen gibt es auch viele andere sogenannte „Designer-Hunde“. Gründe dafür gibt es viele: Doodle gelten als allergikerfreundlich(er) als andere Hunde, haaren weniger als andere Hunde (bis gar nicht), bringen vom Pudel das lebhafte und gelehrige Wesen mit und vom anderen Elternteil Eigenschaften, die entweder im Pudel weniger ausgeprägt oder nicht vorhanden sind. Jetzt könnte man fragen, warum Leute, die einen nicht oder wenig haarenden Hund wollen, nicht das Original (den Pudel) wählen. Das liegt sicher zum großen Teil an dessen altbackenem Image. Die meisten Leute haben dabei nunmal einen Hund mit Showfrisur im Kopf, mit Puscheln an den Ohren, den Beinen und an der Rute und finden das lächerlich. Und gegen die eigenen Vorurteile kämpft es sich erfahrungsgemäß am schwersten an. Ich finde das grundsätzlich aber auch gar nicht so schlimm. Um die obengenannten Nachteile der Vereinszucht auszugleichen oder die verkrusteten Vorgaben aufzubrechen, ist die Etablierung stark nachgefragter Mischlinge sicher nicht die schlechteste Methode. Die genetische Vielfalt wird nicht weiter reduziert, sondern im Gegenteil gestärkt und es werden neue Kombinationen erreicht, die im Rahmen der Rassehundezucht vielleicht schon vor vielen Generationen verlorengegangen sind. Krankheiten, die nur in einer Rasse vorkommen (beispielsweise die Neonatale Enzephalopathie mit Krampfanfällen (NEWS), eine reine Großpudelkrankheit), werden nicht weitergetragen bzw. im Genpool weiter verdünnt. Selbstverständlich gilt auch hier: die reine Vermehrung sollte vermieden werden, beide Elternteile sollten tierärztlich und genetisch untersucht und gesund sein. Eine Kombination zwischen Trägern jeweiliger rassespezifischer Erbkrankheiten sollte ausgeschlossen sein, um nicht den gegenteiligen Effekt, nämlich die Anreicherung verschiedener Krankheiten in einer Linie, zu erhalten. Ich finde es sehr begrüßenswert, dass es Zuchtverbände gibt, die für solche Mischlinge Ahnentafeln ausstellen (so zum Beispiel unser Zuchtverband, die EKU), solange diese gesund sind. Denn am Ende sollte es doch immer darum gehen: gesunde Vierbeiner in die Welt zu setzen, die ihren zweibeinigen Familien möglichst lange Freude bereiten. Darüber, ob es zielführend ist, die entstandenen Doodle wiederum mit Pudeln zu verpaaren, um die berühmten F1b-Nachfahren zu „produzieren“, lässt sich sicher trefflich streiten. Grundsätzlich sind Doodle der ersten Generation sicher etwas homogener als F1b-Geschwister, außerdem kommen F1b-Doodle dem Pudel noch näher und es stellt sich die oben bereits diskutierte Frage erneut, warum nicht das Original gewählt wird. Doch auch diese Verpaarungen sind aus Sicht der Genetik begrüßenswert, solange beide Hunde untersucht und gesund sind. Kommen wir zu einer anderen Frage: Haben Doodle auch Nachteile?

Die Fellpflege

Ein zentraler Nachteil eines nicht oder kaum haarenden Hundes, ist mit Sicherheit die nötige Fellpflege. Doodle wie Pudel müssen regelmäßig mehrmals wöchentlich gekämmt und in regelmäßigen Abständen geschoren werden. Je häufiger man schert, desto weniger muss man kämmen und umgekehrt. Fakt ist: Auch dem Lockenhund fallen Haare aus, die sich aber im Fell festhalten und durch das Kämmen entfernt werden müssen. Und: durch das dauerhafte Haarwachstum ohne Fellwechsel, neigt der Lockenhund dazu, zuzuwachsen. Rio hat mehr Bürsten als ich jemals mein Eigen nannte und hat auch in seinem kurzen Leben sicher schon mehr Stunden beim Friseur verbracht als ich in meinem beinahe 15 mal so lange währenden Leben. Auch gebadet werden sollte ein Doodle wie auch ein Pudel regelmäßig. Es bietet sich an, das gleichzeitig mit der Schur zu erledigen. Weitere Nachteile fallen mir im Moment nicht ein. Höchstens, dass althergebrachte Ansichten dieser Art der Zucht entgegenstehen und man sich ab und zu mal schräg anquatschen lassen muss. Aber hier ist sowieso schon viel zu viel Text entstanden, den niemand liest, daher belasse ich es vorerst dabei. Vielen Dank fürs Lesen!